
Salesforce-Aktie halbiert: Fallendes Messer oder Chance?
Es gibt gerade eine große Angst an der Börse: KI-Agenten könnten Unternehmenssoftware überflüssig machen. Wenn ein Programm sich seine Abläufe selbst zusammenbaut, wozu dann noch teure Systeme von Konzernen wie Salesforce? Das ist die Sorge, die 2026 auf einer ganzen Reihe von Software-Aktien lastet. Der Witz an der Sache: Salesforce ist der Konzern, der diese Agenten gerade am schnellsten verkauft. Das neue Produkt Agentforce ist im Frühjahr 2026 auf 1,2 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz gesprungen, ein Plus von 205 Prozent. Und trotzdem hat sich die Aktie seit ihrem Hoch Anfang 2025 mehr als halbiert. Genau dieser Widerspruch ist unsere These. Wir gehen durch das Geschäft, das KI-Thema, den Absturz, die Schulden hinter dem milliardenschweren Aktienrückkauf und die Frage, was die Aktie heute wirklich kostet.
Das Wichtigste in Kürze
Das Geschäft: Salesforce ist die Nummer eins bei Software fürs Kundenmanagement (CRM), über 40 Milliarden US-Dollar Umsatz, ganz überwiegend aus laufenden Abos.
Die Qualität: bereinigte operative Marge von rekordhohen 34,8 Prozent, 14,4 Milliarden US-Dollar freier Cashflow, tiefe Wechselkosten bei den Kunden.
Die Chance: Nach dem Kursrutsch kostet die Aktie nur noch rund das Elffache des erwarteten bereinigten Gewinns, während das KI-Geschäft Agentforce um 205 Prozent wächst.
Das Risiko: Salesforce hat sich für einen riesigen Aktienrückkauf hoch verschuldet, und ob KI-Agenten am Ende Freund oder Feind sind, ist noch nicht entschieden.
Wir halten Salesforce als langfristig gedachte Position in unserem Wikifolio.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Unternehmen | Salesforce, Inc. |
| Ticker | CRM (NYSE) |
| ISIN | US79466L3024 |
| Land | USA |
| Branche | Unternehmenssoftware (CRM, Daten, KI-Agenten) |
| Währung | USD (NYSE) / EUR (Börse München) |
| Geschäftsjahresende | 31. Januar |
| Umsatz Geschäftsjahr 2026 | 41,5 Mrd. USD (+10 %) |
| Prognose Geschäftsjahr 2027 | 45,9 bis 46,2 Mrd. USD |
| Bereinigte operative Marge | 34,8 % (Rekord) |
| Freier Cashflow Geschäftsjahr 2026 | 14,4 Mrd. USD (+16 %) |
| Agentforce Jahresumsatz (ARR) | 1,2 Mrd. USD (+205 %) |
Quelle: Salesforce Investor Relations, SEC-Berichte, Liquifolio Marktdaten (Juni 2026)
Was Salesforce überhaupt macht
Salesforce hat vor gut zwanzig Jahren eine Idee groß gemacht, die heute selbstverständlich ist: Software nicht mehr kaufen und auf dem eigenen Server installieren, sondern über den Browser mieten. Das Kernprodukt ist ein CRM, ein System fürs Kundenmanagement. Dort liegt, vereinfacht gesagt, alles, was ein Unternehmen über seine Kunden weiß: jeder Kontakt, jedes Angebot, jeder offene Verkaufsfall, jede Support-Anfrage. Vertrieb, Marketing und Kundenservice arbeiten den ganzen Tag in diesem System. Rund um dieses Herzstück hat Salesforce über die Jahre eine ganze Produktwelt gebaut, von der Marketing-Automatisierung (Marketing Cloud) über die Kommunikationsplattform Slack bis zur Datenplattform Data 360, die alle Kundendaten eines Konzerns zusammenführt. Fast der gesamte Umsatz kommt aus Abos, die Jahr für Jahr weiterlaufen.
| Bereich | Wofür die Software sorgt |
|---|---|
| Sales Cloud | Steuerung des Vertriebs, vom ersten Kontakt bis zum Abschluss |
| Service Cloud | Kundenservice und Support über alle Kanäle |
| Marketing Cloud | Kampagnen, Werbung und Kundenansprache automatisieren |
| Data 360 | Alle Kundendaten eines Konzerns zusammenführen und nutzbar machen |
| Slack | Kommunikation und Zusammenarbeit im Unternehmen |
| Agentforce | KI-Agenten, die Aufgaben im Kundengeschäft eigenständig erledigen |
Quelle: Salesforce (Produktportfolio)
Ein Geschäft, das seit Jahren verlässlich wächst
Salesforce wächst nicht mehr so wild wie früher, aber sehr verlässlich. Aus knapp 21 Milliarden US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2021 wurden bis zum Geschäftsjahr 2026, das Ende Januar 2026 endete, gut 41 Milliarden. Das Wachstumstempo hat sich dabei von rund 25 Prozent auf zuletzt etwa 10 Prozent im Jahr abgeflacht, ein ganz normaler Weg für ein Unternehmen dieser Größe. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 stellt das Management 45,9 bis 46,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht, also erneut rund 11 Prozent mehr.
Salesforce Umsatz je Geschäftsjahr (endet jeweils 31. Januar)
Quelle: Salesforce Investor Relations / SEC-Mitteilungen (Geschäftsjahre 2021 bis 2026, 2027 Unternehmensprognose, Mittelwert)
Der Burggraben: warum niemand einfach wechselt
Der wichtigste Grund, Salesforce zu besitzen, steht in keiner einzelnen Quartalszahl: die Kunden kommen kaum wieder los. Ein CRM ist nicht irgendein Programm, das man mal eben austauscht. Es ist das System, in dem der komplette Vertrieb eines Konzerns arbeitet, in das über Jahre jeder Kundenkontakt eingeflossen ist und an das Dutzende andere Programme angeschlossen sind. Tausende Mitarbeiter sind darauf geschult, ganze Arbeitsabläufe sind darum herum gebaut. Ein Wechsel des Anbieters bedeutet, all das anzufassen, während der Laden weiterlaufen muss. Das kostet Jahre und viel Geld, und kaum ein Vertriebschef riskiert für eine etwas günstigere Alternative, dass sein Team wochenlang lahmliegt.
Man sieht diese Bindung an einer Kennzahl, die viele übersehen: Salesforce verdient seit Jahren mehr an seinen bestehenden Kunden, ganz ohne neue zu gewinnen. Die Kunden buchen weitere Produkte dazu, nehmen mehr Nutzer hinzu, rollen die Software in mehr Ländern aus. Genau deshalb konnte der Umsatz seit 2021 um fast 100 Prozent steigen, obwohl der Markt für Kundensoftware längst kein Neuland mehr ist. Salesforce muss nicht ständig neue Kunden erobern, es muss die vorhandenen halten und tiefer hineinverkaufen. Und das gelingt seit über zwei Jahrzehnten.
Ganz uneinnehmbar ist diese Festung aber nicht, und der gefährlichste Angreifer heißt Microsoft. Wer ohnehin Microsoft 365, Teams und die Azure-Cloud im Haus hat, bekommt mit Dynamics 365 ein CRM, das eng mit dieser Welt verzahnt ist, und die KI-Funktionen von Copilot gibt es teils gleich im Paket dazu. Für kleinere und mittlere Firmen ist das ein starkes Argument. Bei den großen Konzernen, um die es Salesforce vor allem geht, sitzt der Marktführer dank der tiefen Verankerung bisher fest im Sattel. Trotzdem ist Microsoft der Grund, warum wir die Wettbewerbsseite genau im Auge behalten.
Agentforce: aus der Bedrohung wird das Verkaufsargument
Die Angst der Börse lautet: Wenn KI-Agenten Aufgaben selbst erledigen, braucht niemand mehr die klassische Software darunter. Salesforce dreht dieses Argument um. Statt zu warten, bis jemand anderes die Agenten baut, verkauft der Konzern sie selbst, und zwar auf Basis genau der Daten, die ohnehin schon in seinem System liegen. Das Produkt heißt Agentforce. Ein Agent kann zum Beispiel eine Kundenanfrage von Anfang bis Ende bearbeiten, einen Termin buchen oder einen Verkaufsfall vorbereiten, und greift dabei auf die Kundendaten aus Data 360 zu. Genau das ist der Punkt: Ein KI-Agent ist nur so gut wie die Daten, auf die er zugreift. Und die liegen bei den großen Konzernen längst bei Salesforce.
Wie schnell das läuft, zeigt die nächste Grafik. Der Jahresumsatz von Agentforce, in der Fachsprache die jährlich wiederkehrende Umsatzrate oder ARR, ist innerhalb von zwei Quartalen von rund einer halben auf 1,2 Milliarden US-Dollar gestiegen. Zählt man die eng verbundene Datenplattform Data 360 dazu, liegt der gemeinsame Jahresumsatz sogar bei rund 3,4 Milliarden, ein Plus von über 200 Prozent.
Agentforce Jahresumsatzrate (ARR) je Quartalsbericht
Quelle: Salesforce Investor Relations / SEC-Mitteilungen (Quartalsberichte, jeweils Meldedatum)
1,2 Milliarden sind gemessen an gut 41 Milliarden Gesamtumsatz noch klein. Agentforce trägt den Konzern also noch nicht. Aber die Richtung ist eindeutig, und sie widerlegt die These, dass KI Salesforce das Geschäft wegnimmt. Im Gegenteil, die neue Technik wird zum zusätzlichen Verkaufsargument in einem System, aus dem die Kunden ohnehin kaum herauskommen. Das jüngste Quartal untermauert das: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, gemeldet Ende Mai 2026, stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 11,13 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie sogar um 50 Prozent auf 3,88 US-Dollar.
Hohe Margen, viel Cashflow, aber neue Schulden
Salesforce galt lange als der Konzern, der zwar wächst, aber wenig verdient. Das hat sich gründlich geändert. Auf Druck aktivistischer Investoren hat das Management die Kosten im Griff, die bereinigte operative Marge liegt inzwischen bei rekordhohen 34,8 Prozent. Von jedem eingenommenen Dollar bleiben also fast 35 Cent als bereinigter Betriebsgewinn. Noch wichtiger ist der freie Cashflow, also das Geld, das nach allen Ausgaben und Investitionen übrig bleibt: Im Geschäftsjahr 2026 waren das 14,4 Milliarden US-Dollar, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Software-Abo-Geschäft dieser Art ist eine echte Geldmaschine.
Dieses Geld gibt Salesforce in großem Stil an die Aktionäre zurück. Der Konzern hat einen Aktienrückkauf über 50 Milliarden US-Dollar beschlossen, den bislang größten seiner Geschichte, und allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 über 100 Millionen Aktien eingezogen, rund 11 Prozent aller Anteile. Dazu zahlt Salesforce seit 2024 eine, wenn auch kleine, Dividende. Jede zurückgekaufte Aktie erhöht den Anteil der übrigen Aktionäre am Gewinn. Hier liegt aber auch der größte Haken: Salesforce hat für die Rückkäufe und den Zukauf des Datenspezialisten Informatica kräftig neue Schulden aufgenommen. Die Gesamtverschuldung ist dadurch auf rund 39 Milliarden US-Dollar gestiegen, aus einem Netto-Bargeldbestand ist ein echter Nettoschuldner geworden.
Wie ernst sind 39 Milliarden Schulden? Zwei Dinge ordnen die Zahl ein: woher sie kommt, und was Salesforce an Barmitteln dagegen hält. Beides zeigt die folgende Grafik, von der früheren Schuldenlast über die neue Kreditaufnahme bis zur Nettoverschuldung.
Quelle: Salesforce 10-Q (Bilanz zum 30. April 2026), Anleihe- und Kreditmeldungen 2026
Die Grafik macht zwei Dinge deutlich. Die 39 Milliarden sind kein Zeichen von Not, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung: gut 31 Milliarden frisches Fremdkapital für Rückkauf und Informatica, aufgesetzt auf eine zuvor kleine Schuldenlast. Und nach Abzug der Barmittel bleiben rund 27,5 Milliarden Nettoschulden, denen ein freier Cashflow von 14,4 Milliarden pro Jahr gegenübersteht. Rein rechnerisch wäre Salesforce die Nettoschulden in unter zwei Jahren los. Das wird nicht passieren, weil das Geld in Rückkäufe fließt, aber es zeigt die Größenordnung: Die Schulden engen den Spielraum ein, für ein Geschäft mit dieser Ertragskraft sind sie aber gut zu stemmen.
Warum die Aktie trotzdem fast halbiert ist
Wenn das Geschäft so gut läuft, warum ist die Aktie dann so gefallen? Die folgende Grafik zeigt den Kursverlauf an der Börse München in Euro. Nach dem Software-Boom der Corona-Jahre und einem heftigen Rückschlag 2022 hatte sich Salesforce wieder erholt und Anfang 2025 mit rund 330 Euro ein neues Rekordhoch erreicht. Seither ging es steil bergab, auf zuletzt rund 144 Euro. Das ist ein Minus von über 55 Prozent in anderthalb Jahren. Allein seit Jahreswechsel hat die Aktie in US-Dollar rund ein Drittel verloren, in Euro sogar etwas mehr.
Salesforce Aktienkurs seit 2019 (Monatsschluss, Börse München)
Quelle: Liquifolio Marktdaten (Börse München, EUR)
Hinter dem Rückgang stehen zwei Sorgen. Die erste ist die KI-Angst vom Anfang: Der Markt preist ein, dass Agenten die klassische Software entwerten könnten, und trifft damit die ganze Branche. Auch andere Namen wie Adobe hat es 2026 aus demselben Grund erwischt. Die zweite Sorge ist konkreter: Salesforces Wachstum hat sich von über 20 auf rund 10 Prozent verlangsamt, und für ein Unternehmen, das lange als schnelle Wachstumsstory galt, ist das eine Enttäuschung. Beides zusammen hat die Bewertung eingesammelt, obwohl Umsatz, Marge und Cashflow die ganze Zeit weiter gestiegen sind.
Unsere Einschätzung zur KI-Angst ist nüchtern: Bei Salesforce ist sie übertrieben. Ein KI-Agent ohne verlässliche Kundendaten ist nutzlos, und diese Daten liegen bei den großen Konzernen längst im Salesforce-System, eingebettet in Abläufe, die niemand leichtfertig anfasst. Die wahrscheinlichste Entwicklung ist deshalb, dass nicht die Agenten Salesforce verdrängen, sondern Salesforce die Agenten verkauft. Genau das passiert mit Agentforce bereits, wie die Zahlen weiter oben zeigen.
Damit ist die wichtigste Frage aber noch nicht beantwortet. Hier liegt sogar der eigentliche Kern der Geschichte. Salesforce hat sein Geld jahrzehntelang pro Nutzer verdient: je mehr Mitarbeiter im System arbeiten, desto höher die Rechnung. KI-Agenten übernehmen nun Aufgaben, die früher Menschen erledigt haben. Salesforce selbst hat die Zahl seiner Support-Mitarbeiter von rund 9.000 auf etwa 5.000 gesenkt, weil die Agenten inzwischen etwa die Hälfte der Kundenanfragen abwickeln, und weniger menschliche Nutzer könnten weniger Nutzerlizenzen bedeuten. Deshalb verkauft Salesforce Agentforce zunehmend nicht mehr pro Nutzer, sondern nach Verbrauch, etwa rund 2 US-Dollar je geführtem Gespräch. Dahinter steckt eine Wette: Was an Nutzerlizenzen wegfällt, soll der Verbrauch mehr als ausgleichen, weil ein Agent rund um die Uhr Tausende Vorgänge abarbeitet. Geht die Wette auf, steigt der Umsatz je Kunde sogar. Geht sie nicht auf, sinkt er. Das ist der Punkt, den wir am genauesten beobachten.
Der Preis für den Marktführer
Salesforce ist an der Börse rund 136 Milliarden US-Dollar wert. Gemessen am freien Cashflow von 14,4 Milliarden ist das knapp das Zehnfache, gemessen am erwarteten bereinigten Gewinn rund das Elffache. Für den weltweiten Marktführer bei Kundensoftware, der zweistellig wächst und eine 35-Prozent-Marge abwirft, ist das auffällig wenig. Am saubersten sieht man die Entwicklung am Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), also dem Börsenwert geteilt durch den Jahresumsatz. Bei Salesforce sagt es mehr aus als das klassische KGV, weil der ausgewiesene Gewinn jahrelang durch hohe Aktienvergütung und Übernahmekosten gedrückt war und deshalb stark schwankt. Der Umsatz schwankt nicht, und genau deshalb zeigt das KUV den Bewertungstrend klarer.
Salesforce Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) seit 2021
Quelle: stock-analysis-on.net
Die Linie zeigt es deutlich. Auf dem Höhepunkt des Software-Booms 2021 zahlten Anleger über das Elffache des Jahresumsatzes, und selbst Ende 2024 war es noch einmal fast das Zehnfache. Heute sind es rund 3,2, weniger als ein Drittel des damaligen Höchststands und nur etwa die Hälfte des langjährigen Schnitts von knapp 7. Der Umsatz hat sich in derselben Zeit fast verdoppelt. Eingebrochen ist also die Bewertung, während das Geschäft immer weiter gewachsen ist.
Auch im Vergleich mit anderen großen Software-Konzernen steht Salesforce günstig da. Die folgende Grafik trägt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (waagerecht) gegen das erwartete Umsatzwachstum (senkrecht) auf. Die Größe der Blase steht für die Marktkapitalisierung.
Bewertung im Vergleich: KGV gegen Wachstum
Quelle: Eigene Zusammenstellung, erwartetes KGV auf Basis von Unternehmensangaben, GuruFocus und Marktdaten (Näherungswerte, Juli 2026)
Salesforce sitzt weit links unten, unter den günstigsten Namen der Gruppe, bei rund 11 Prozent erwartetem Wachstum. ServiceNow oben wächst schneller, ist dafür mehr als doppelt so teuer bewertet; SAP und Oracle kosten bei ähnlichem Wachstum etwa doppelt so viel. Nur Adobe ist noch einen Tick billiger, und das aus demselben Grund wie Salesforce: Auch Adobe leidet unter der KI-Angst. Ein überzogener Wachstumswert ist Salesforce heute jedenfalls nicht mehr, eher das Gegenteil.
Das ist der Kern unserer These: Du bekommst hier den Marktführer einer der wichtigsten Software-Kategorien, mit tiefen Wechselkosten, hoher Marge und dem am schnellsten wachsenden KI-Produkt der Branche, zu einem Preis, wie es ihn seit Jahren nicht gab. Es ist keine klassische Schnäppchen-Aktie, aber ein überdurchschnittliches Unternehmen zu einem endlich vernünftigen Preis. Genau solche Gelegenheiten sucht ein Qualitätsdepot.
Die größten Risiken
Der wichtigste Risikopunkt ist die KI-Frage selbst: Zwar verkauft Salesforce die Agenten erfolgreich, aber ob sie am Ende so profitabel sind wie das alte Lizenzgeschäft, ist noch nicht bewiesen. Sollten Agenten dazu führen, dass Konzerne weniger Nutzerlizenzen brauchen, könnte das den Umsatz je Kunde drücken. Der zweite Punkt sind die neuen Schulden: Für den 50-Milliarden-Rückkauf und den Zukauf von Informatica hat sich Salesforce auf rund 39 Milliarden US-Dollar verschuldet und ist damit vom Netto-Bargeldbestand zum Nettoschuldner geworden. Das ist beim aktuellen Cashflow tragbar, verringert aber den Puffer. Dazu kommt, dass das Wachstum insgesamt nur noch bei rund 10 Prozent liegt und die großen Zukäufe der Vergangenheit, von Slack bis Informatica, erst noch beweisen müssen, dass sie ihr Geld wert waren. Wir behalten dafür zwei Signale im Auge: ob der Umsatz weiter zweistellig wächst und ob Agentforce sein Tempo hält, ohne das übrige Geschäft zu kannibalisieren.
| Dafür spricht | Dagegen spricht |
|---|---|
| Weltweite Nummer eins bei Kundensoftware (CRM) | Wachstum auf rund 10 % pro Jahr verlangsamt |
| Tiefe Wechselkosten, Kunden kommen kaum los | KI-Agenten könnten den Umsatz je Kunde drücken |
| 34,8 % Marge, 14,4 Mrd. USD freier Cashflow | Für den Rückkauf neue Schulden aufgenommen (~39 Mrd. USD) |
| Agentforce ARR +205 %, KI wird zum Zusatzverkauf | Große Zukäufe (Slack, Informatica) müssen sich beweisen |
| Nur ~11-faches erwartetes KGV, deutlich unter Vergleichbaren | Wenig Spielraum, falls die KI-Wette nicht aufgeht |
| Rückkauf von 11 % der Aktien in nur einem Quartal | Bewertung hängt an der noch offenen KI-Frage |
Quelle: Liquifolio, auf Basis von Salesforce-Berichten und Marktdaten (Juni 2026)
Darum halten wir Salesforce
Salesforce ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine verbreitete Angst eine Aktie billiger macht, als das Geschäft es rechtfertigt. Der Markt fürchtet, dass KI-Agenten Unternehmenssoftware entwerten, und ausgerechnet der größte Anbieter verkauft diese Agenten selbst und lässt das Geschäft um 205 Prozent wachsen. Gleichzeitig ist die Aktie mehr als halbiert und kostet nur noch rund das Elffache des erwarteten Gewinns. Die offenen Fragen, die Schulden und die noch unbewiesene Profitabilität der Agenten, nehmen wir ernst und behalten sie im Blick. Für uns wiegt der Preis diese Sorgen aber mehr als auf. Ein erstklassiges Geschäft so günstig wie seit Jahren nicht zu bekommen, ist genau die Art Gelegenheit, die ein Qualitätsdepot sucht. Deshalb ist Salesforce eine bewusst gewählte, langfristig gedachte Position in unserem Wikifolio.
Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und ist keine Anlageberatung oder Kauf-/Verkaufsempfehlung. Wir halten die besprochene Aktie in unserem Wikifolio. Alle Angaben ohne Gewähr.
Quellen: Salesforce (Q1 Geschäftsjahr 2027) · Salesforce IR (Q1 FY27) · Salesforce (Q4 Geschäftsjahr 2026, Rückkauf) · Salesforce (Informatica-Übernahme) · Macrotrends (Umsatzhistorie) · StockTitan (10-Q, Verschuldung) · Salesforce Ben (Agentforce ARR) · Constellation Research (Agentforce-Preismodelle) · CNBC (Support-Stellen und KI) · stock-analysis-on.net (KUV-Historie) · GuruFocus (Vergleichsbewertung) · Finanzkennzahlen & Kursdaten: Liquifolio (SEC-Daten, Börse München)